Eric Garcia

Cassandra Frenchs Männerverbesserungsanstalt

Roman

 

Berlin: Eichborn-Verlag 2005

 

387 S. - geb.

 

ISBN 3-8218-5739-0

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19,00 Euro

 
Fangen und freilassen
 
Gehst du zum Manne, vergiss die Peitsche nicht! Und hilf ihm ein besserer Mensch zu werden.
Man(n) stelle sich vor, da gibt es eine Frau, die Männer verschleppt, in ein Kellerverließ sperrt und sich die Jungs dort mit Chloroform, verschiedenartigen Drogen und proteinarmer Diät „gefügig“ macht. – Ein unangenehmer Gedanke, aber eine grandiose Idee für ein Buch!
Cassandra French, 29-jährige Anwältin eines Filmstudios in Los Angeles, hat genug von diesen ungehobelten Machos, denen sie tagtäglich in den Szeneclubs und bei der Arbeit begegnet. Deshalb ergreift sie nach vergeblicher Suche von „Mr. Right“ zu extremeren Mittel: Sie entführt Daniel, Alan und Owen, kettet sie in einem Verließ an, versorgt sie mit Essen und unterrichtet sie monatelang im besseren Umgang mit Frauen – sie sollen „irgendwann gute, liebenswerte Männer werden“. Ihre „Ausbildung“ in der Männerverbesserungsanstalt, Cassandra nennt ihre „Intensivseminare mit Internatsschülern“ liebevoll „Pensionat“, umfasst Lektüre-, Film- und Benimmkurse sowie skurrile Rollenspiele und Karaoke-Veranstaltungen mit Haarbürsten. Zwar liegt viel Erotik in der Luft, doch die Lehrerin wahrt die nötige Distanz zu ihren Schälern.
Alles läuft friedlich und geregelt ab, selbst die Männer ergeben sich – morphinbetäubt – ihrem Schicksal, bis Cassandra – nach einem hoch erotischen Abenteuer – den Schauspieler Jason Kelly entführt und sich ein tödlicher Unfall ereignet. Als dann auch ihre Freundinnen Lexi und Claire – von Cassandra eingeweiht – auf die Idee kommen, Männer zu verschleppen, verliert Cassandra die Kontrolle. Ist das das Ende der „Verbesserungsanstalt“?
Bitterböse entwickelt Eric Garcia hier seine Beziehungssatire um Miss French, die bei all ihrem fragwürdigen Tun so liebenswürdig und unschuldig agiert, dass man(n/frau) keinen Moment die Rechtmäßigkeit ihrer Aktionen in Zweifel zieht. Garcia lässt seine Heldin die Geschichte in Form einer Beichte erzählen, die dem Leser tiefe Einblicke in ihren emotionalen Zustand erlaubt, ihre Irrungen und Verwirrungen erklärt und ihn immer hautnah an der Handlung hält. Ein Lesevergnügen der besonderen Art.
 

Style, Heft 2 / 2005, S. 106