Peter Kühnst (Hg.)

Naked Champions

Der sportliche Akt in der Fotographie

 

Berlin: 6x6.com der EDITION BRAUSS im Wachter-Verlag 2004

 

176 S. - Hardcover mit Schutzumschlag

 

SBN 3-89904-096-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

49,90 Euro

 
Ästhetisierte Muskulösität
 

»In unserer Kultur fetischisieren und verachten wir den Sportler zugleich – als jemanden, der mit und in seinem Körper arbeitet«, stellte die amerikanische Autorin Kathy Acker bereits vor Jahren fest. Auch die Fotografie hat sich seit ihren Anfängen mit sportlichen Bewegungen und Abläufen beschäftigt.

 

Mit einer kleinen Kulturgeschichte der Fotografie unter dem Aspekt "Eros und Sport" wartet der Band auf, ein historischer Querschnitt der Sportfotografie. Im Mittelpunkt des Bandes steht das Interesse für den trainierten Körper, wobei gerade die historischen Bilder eine andere Form der Muskulösität präsentieren als die Bilder der "Muskelberge" Arnold Schwarzenegger und Yalanda Hughes. Vier Portfolios bieten Abbildungen aus der Frühzeit der Fotogafie (hier sind insbesondere die als "Collection athlétique" bekannten Bilder eines Edmont Desbonnet zu nennen) über die Darstellung des Körperkultes in den 1920er und 1930er Jahren bis hin zu den Manirismen der Postmoderne (Robert Mapplethorpe, der bis zu seinem Tod 1988 vitale, erotische und fast pornographische Fotografien von Tänzerinnen und Tänzern, Bodybuilderinnen und Bodybuildern schuf, ist ebenso in dem Band vertreten), die durch drei kluge und informative Aufsätze des Autorengespannes ergänzt werden.

Gerade im zweiten Portfolio zeigt sich deutlich der Übergang zwischen den vielfältigen Aktivitäten der sog. Lebensreformer hin zur heroisierenden Menschendarstellung, die in ihrer Art der Verführung perfide war und in der Fotografin Leni Riegenstahl ihr Personifizierung fand.

Der Band, der bei seinem Erscheinen 2004 leider zu wenig Aufmerksamkeit erhielt, besticht vor allem durch die Geschickte Gegenüberstellung historischer Aufnahmen unterschiedlicher Epochen, die für den Betrachter auch den Wandel der Körperlichkeit, des Körperverständnisses augenscheinlich macht.

 

Menstyle, Heft 2 / 2006, S. 98