Fotografie  

Andrew Macpherson

 

Two Million Miles

(Text in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch)

 

Kempen: teNeues 2006

240 S. m. 250 Farb- u. Duotone-Fotos, Geb. mit Schutzumschlag

 

 

ISBN-10: 3-8327-9160-4

ISBN-13: 978-3-8327-9160-5

 

 

 

 

 

 

 

 

75,00 Euro

 
Suche nach tieferer Bedeutung

 

"Bei der Suche nach dem perfekten Bild kann ich inzwischen auf zwei Millionen Meilen in sieben Meilen Höhe verweisen", so der britische Fotograf Andrew Macpherson, der einen Teil seiner umfangreichen Bildsammlungen in einem hochwertig gestalteten Prachtband bei teNeues vorlegt.

 

Macpherson, in London geboren, lebt heute in Los Angeles. Mit 23 wurde er von "Harper‘s & Queen" entdeckt, für die er seine ersten Modeaufnahmen machte. In den ersten zehn Jahren nach 1985 erlebte er einen kometenhaften Aufstieg innerhalb der Welt der Modefotografie: Er arbeitete für die wichtigsten Magazine – "The Face", "Elle" und "Vogue" – und lernte die Topmodels ebenso kennen wie die Großen des Showbiz. Er machte Aufnahmen für Cover der Musik-Zeitschrift "Rolling Stone", begleitete 1992 die irische Gruppe "U2" (die im Übrigen als einzige zweimal in dem Band abgedruckt worden sind) auf ihrer legendären "Zoo TV"-Tour durch die USA und dokumentierte 1996 John Gallianos erste Kollektion für das französische Modehaus "Givenchy", bevor er in die USA umsiedelte und sich von der Modefotografie abwandte. 1997 wurde sein gesamtes Archiv durch ein Feuer zerstört; eine einschneidende Erfahrung, die ihn zur Auffassung brachte: Fotografen halten in ihrer Kunst Augenblicke fest, machen Momentaufnahmen der Gegenwart – und was sie besitzen ist lediglich diese Gegenwart. Nun wurden die Stars (und weniger die Sternchen) der amerikanischen Film- und Musikindustrie die Protagonisten seiner Bilder: Nicolas Cage, George Clooney, Elijah Wood, Willem Dafoe oder Liv Tyler; Sting, Ozzy Obourne, George Michael oder P!nk stellten sich seiner Kamera.

Diese Augenblicke sind es dann auch, die Macphersons Bilder so einmalig und ausdrucksstark machen. Obwohl fast immer inszeniert, deuten sie Stärken, Besonderheiten oder auch Schwächen der Dargestellten an, verweisen auf das personifizierte Image. Es gibt wohl kaum ein Bild, das die Verletzlichkeit eines Johnny Depp intensiver darstellt als Macphersons Foto von 1994, den Schauspieler als Hamlet-Figur zeigend (S. 102/3). Und kaum ein Bild könnte Tom Cruises Sucht nach völliger Kontrolle besser darstellen, als die Aufnahme, die der Fotograf im Frühjahr 1996 machte (S. 203). Die vielleicht überzeugendste Arbeit im vorliegenden Band ist die Fotografie von John Malkowich, dessen körperliche Präsenz auf den Betrachter überspringt (S.112/3).

Insgesamt eine überzeugende Auswahl.

 

 

Style, Heft 1 / 2007, S. 95