Volker Ullrich

Napoleon

Eine Biographie

Berlin: Rowohlt 2004

177 S. - geb.

ISBN 3-498-06882-2

 

 

 

 

 

17,90 Euro

 
„Welch ein Roman ist doch mein Leben!“
 

Der kleine Korse – Ob als Markenzeichen für Cognac oder als Ikone auf Devotionalien – sein Name ist in Frankreich immer noch allgegenwärtig

„Denn das Genie ist ein Meteor, dazu bestimmt zu verbrennen, um sein Jahrhundert zu erleuchten." – Worte eines noch unbekannten Leutnants, der als Napoleon Bonaparte in die Geschichte eingehen sollte und über mehr als ein Jahrzehnt das Schicksal Europas bestimmte, fast ist man geneigt zu sagen: ein Vordenker eines geeinten Europas. Über kaum eine historische Figur ist so viel geschrieben worden wie über Napoleon Bonaparte und wohl kaum eine historische Persönlichkeit wurde so kontrovers diskutiert: Die Bewertungen reichen von glühender Verehrung („Napoleon ist der Archetyp dieser Retter, die die Geschichte [...] bestimmten“; Heinrich Heine verehrte ihn als den „großen Kaiser“) bis zur abgrundtiefen Verachtung („The most destructive man [...] since Attila the Hun“). Dabei hat sich die Person zum Mythos entwickelt, den zahlreiche Legenden umgeben. Er selbst stilisierte sich zum Über-winder der französischen Revolution (1789), sah sich in historischer Nachfolge Alexander des Großen und legte in seinem „Code Civil“ die Grundlagen des modernen bürgerlichen Rechts. Seine Legende ermöglichte es seinem Neffen (Napoleon III.), die französische Republik abzuschaffen und das „Second Empire“ auszurufen, das im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sein Ende fand.
Das Buch selbst besticht allein schon durch seine typographische Aufmachung und zahlreichen Farbabbildungen. Der Band wird abgerundet durch einen Anhang, in dem sich die wissenschaftlichen Anmerkungen, eine übersichtliche Zeittafel, eine Zusammenstellung verschiedener, historischer Zeugnisse über den Feldherren, eine kleine Bibliographie und ein Namensregister finden. Ullrichs pointierte Darstellung hebt sich auch in ihrem Umfang wohltuend von den doch sehr umfangreichen – und manchmal geschwätzigen – Biographien ab. Er nennt Legenden und ihre Verursacher beim Namen und führt jene auf ihren wahren Kern zurück. Ein gut recherchiertes, sehr informatives Bändchen, das kenntnisreich anregt, sich näher mit einer herausragenden Figur der europäischen Geschichte zu befassen – egal wie man zu ihr steht.

 

Menstyle, Heft 1 / 2005, S. 75