Techno-Thriller  

Michael Crichton

 

NEXT. Roman

 

 

 

 

München: Karl Blessing Verlag 2007

539 S., geb. m. Schutzumschlag

 

 

ISBN: 978-3-89667-337-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

22,95 Euro

 
Büchse der Pandora

 

Nahezu makaber ist die Vorstellung, dass ein Mann vor Gericht beweisen muss, dass seine Zellen sein Eigentum sind. Fast krude klingt es, dass der betreffende Konzern nun versucht, die Tochter und das Enkelkind dieses Mannes in seine Hände zu entführen, um so an die benötigten Zellen zu kommen. Doch in diesem Thriller ist alles möglich.

 

Michael Crichton verbindet wie kaum ein anderer Schriftsteller Naturwissenschaft, Technik und Medizin zu einem Bestseller(allein in den USA erschien das Buch in einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren). Mit jedem seiner bislang 15 Bücher hat er sich auf ein aktuelles Generalthema eingeschworen: etwa Quanten-Physik ("Timeline"), Nano-Technologie ("Beute") oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ("Enthüllung"). Dabei hat es ihm das Thema Gentechnik besonders angetan. Widmete er sich ihr bereits in "Jurassic Park" und "Beute" am Rande, so sind die Möglichkeiten, die Genmanipulation – auch zu unlauteren Geschäften – bietet, das Kernthema seines neuen Romans. Was ist machbar, wie weit darf Forschung gehen und mit welchen Mitteln sollen Grenzen und Gesetze helfen, den Missbrauch zu verhindern? In Crichtons Welt sind es vor allem die Bio-Konzerne, Ärzte und vor allem Universitäten, die – von einer Legion teuerer Anwälte vertreten – vor keiner Schandtat zurückschrecken. Sie arbeiten Hand in Hand und lassen sich Gen-Patent um Gen-Patent ausstellen. Da wird geschachert, getäuscht, manipuliert und verleumdet, was das Zeug hergibt und dem Leser Freude bereiten soll. Dass Crichton ein Gegner der Biotechnologie ist, wird den Leser bei dieser Radikalität nicht überraschen.

Mit "Next" kehrt Crichton zu dem Thema von "Jurassic Park" zurück, wobei es ihm allerdings nicht gelingt, sich allein auf eine stringente Handlung zu beschränken. Er verzettelt sich in einer Vielzahl von Handlungssträngen, als wolle er alle negativen Aspekte der Genforschung unbedingt in die Handlung aufnehmen – hier wäre der Verzicht auf einige Teile sicherlich von Vorteil gewesen. Obwohl Crichton sein Handwerk immer noch versteht (was sich insbesondere in den Dialogen und fast filmartigen Schnittfolgen zeigt), einzelne Handlungsstränge immens spannend sind und er nicht ganz so sperrig wie sein Vorgänger ("Welt in Angst") ist, ein eher schwacher Roman!

 

 

Style, Heft 2 / 2007, S. 100