Sven Regener

Neue Vahr Süd

Roman

 

Berlin: Eichborn-Verlag 2004

 

585 S. -  geb.

 

ISBN: 3-8218-0743-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

24,90 Euro

 

Als Herr Lehmann noch Frank Lehmann hieß...

 

wohnte er nicht in Berlin, sondern im Osten Bremens. Auf 585 Seiten (Gewicht: ein halbes Kilo) wird die Vorgeschichte von Frank, jenes heroisch trägen Kneipenhelden aus Berlin-Kreuzberg, erzählt. Herrlich komisch, stellenweise skurril und immer nah am Leben: Frank – erst 19 – vergißt den Wehrdienst zu verweigern und muss zum „Bund“, gleichzeitig tauscht er das elterliche Schutzzentrum gegen ein vier Quadratmeter-Durchgangszimmer in einer Männer-Wohngemeinschaft ein und macht erste, schwierige Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht. Er lernt zu rauchen – was er eigentlich nicht mag – und Bier zu trinken – was er eigentlich auch nicht mag.
Entgegen seinem Erstling, läßt Regener, seinem Helden diesmal weitaus mehr Raum um seine Außenseiterrolle auszuleben: Er sitzt zwischen allen Stühlen, sucht sich zu positionieren, fühlt sich nirgendwo heimisch und ganz wohl, scheitert am Alltäglichen und ist planlos.
Sven Regener ist ein komischer und zugleich beklemmender Roman gelungen, der die Sorgen und Nöte Heranwachsender in der 1980-er Jahren bravourös karikiert. Großartige Dialoge, staubtrockener Humor und eindrückliche Schilderungen lösen einander ab.
Wen das Gewicht nicht stört, der Umfang nicht einschüchtert, läßt sich ein auf ein wahres Lesevergnügen, das einen oftmals laut auflachen läßt! Wir warten gespannt auf den dritten und letzten Teil.

 

Style, Heft 1 / 2005, S. 98