Kathy Reichs

Totgeglaubte leben länger

Roman

 

München: Karl Blessing Verlag 2005

 

414 S. - geb.

 

ISBN 3-89667-288-6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19,90 Euro

 
»Letztendlich ging es nur um Gier und Rache.«
 

Bevor die amerikanisch-kanadische Anthropologin Tempe Brennan diese beiden klassischen Motive erkennt, muss sie sich erst einmal in der Weltgeschichte herumtreiben.

 

Alles beginnt so alltäglich, so banal: Da wird die Leiche eines dubiosen Importeurs aufgefunden. Was für die Polizei ein Suizid zu sein scheint, entpuppt sich rasch als heimtückischer Mord, dessen Hintergründe erst einmal aufgeklärt werden wollen: Der Ermordete handelte illegal mit Reliquien aus dem Heiligen Land. Der Mord, ein über 2000 Jahre altes Skelett, weitere Knochenfunde und ein rätselhafter Fremder sind die Zutaten, mit denen die Autorin eine wundersame Geschichte erzählt. Das Was-wäre-wenn-geschenhen-wenn rückt dabei in den Mittelpunkt der Handlung: Handelt es sich bei dem gefundenen Skelett tatsächlich um die Überreste von Jesus Christus, der die Kreuzigung überlebte und als alter Mann starb? Und wenn ja, welche Auswirkungen hat das auf die Gesellschaften und Kulturen der heutigen Welt?

Bibelthriller vermischt mit Realität und Fiktion sind seit Dan Browns Roman Sakrileg schwer im Kommen. So fragwürdig Browns Werk in all seinen Verschwörungstheorien bis zum Schluss bleibt, so sehr ist Kathy Reichs vorbehalten, ihrem Roman eine durchaus profane Lösung zukommen zu lassen. Auch wenn sie in ihrem achten Band um ihre Heldin rund 100 Seiten benötigt, um die von ihr gewohnte Spannung aufzubauen, bleibt der Roman – einmal in Fahrt gekommen – spannend bis zur letzten Seite, auch wenn manche Details unausgesprochen hätten bleiben können. Die »Königin der Obduktionsliteratur« (Stern über Kathy Reichs) hat wieder einmal erfolgreich zugeschlagen.

 

Style, Heft 1 / 2006, S. 97