Tom Sharpe

 

Der Einfallspinsel

Roman

 

 

München: Goldmann 2005

 

256 S. -  Paperback

 

ISBN 3-442-30683-3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19,90 Euro

 
Die Regel des rein Zufälligen – Wilt ist wieder da
 
Henry Wilt, seines Zeichens wenig ambitionierter Berufschullehrer im englischen Ipford, verheiratet mit der, einer Bulldogge gleichenden Eva, Vater enervierender und pubertierender Vierlinge und hoffnungsloses Opfer der Verstrickungen, die sich sein Autor Tom Sharpe, ein Meister des schwarzen Humors, für ihn ausgedacht hat, ist wieder zurück – und wie.
Als er von der Einladung der amerikanischen Verwandten seiner Frau erfährt, ist Henry alles andere als begeistert von der Vorstellung eine Reise anzutreten, deren Verlauf er sich nur allzu gut vorstellen kann. Deshalb beschließt er – listenreich –, die Familie die Reise allein antreten zu lassen und seinerseits, das „alte, romantische England“ zu durchwandern. Wie Eva und die vier Mädchen im ländlichen Ame-rika von einem Fettnäpfchen ins nächste treten und auf ihre unkonventionelle, gar nicht so britische Art, die Grundfeste des amerikanischen Imperiums erschüttern, ist der eine Handlungsstrang, der Sharpe endlich Gelegenheit gibt, die Familie seines Heldens einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Seine dabei deutlich in den Vordergrund tretende USA-Kritik ist sicherlich nicht neu, aber in ihrer satirischen Schärfe und beißenden Ironie mehr als nur amüsant. Sharpe gelingt in diesem Handlungsstrang eine zwischen Bigotterie und Terrorangst lebende Gesellschaft zu zeigen, die in ihrer Kontrollsucht selbst vor der Observierung heimischer Toiletten nicht halt macht. Sharpe läßt wieder einmal keine Gelegenheit aus, seinem Ruf als bitterböser Gesellschaftssatiriker gerecht zu werden.
Doch auch Henrys Reise verläuft anders als geplant: Nicht nur, dass ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, er muss feststellen, dass das ländliche England nicht mehr das ist, was er von ihm annahm; die Zeit der Idyllen ist vorbei. Unversehens schlittert er in eine Intrige, die sich das rachsüchtige Hirn der alten, verbitterten Martha Meadows ausgedacht hat, um sich an ihrem früheren Arbeitgeber Bob Battleby und seiner Geliebten Ruth Rottecombe zu rächen. Die daraus resultierenden Verwicklungen lassen Henry erst einmal im Krankenhaus enden, nachdem man ihn halb nackt und mit Kopfverletzungen aufgefunden hat. Hier sieht er sich mit ungeheuren Vorwürfen konfrontiert: Brandstiftung und Mord. Henry zieht es erst einmal vor, unter Amnesie zu leiden. Wenn da nicht diese beiden verdeckten Ermittler der amerikanischen Drogenfahndung und sein alter Feind Inspektor Flint vom Scotland Yard wären...
 

Style, Heft 3 / 2005, S. 149.