Bert Stern

Marilyn Monroe

The complete last sitting

 

München: Schirmer/Mosel 2006

 

464 S. - Hardcover mit Schutzumschlag

 

ISBN 3-88814-19-5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

98,00 Euro

 
Sinnlich, ästhetisch und nicht vulgär
 

Sie gehört zu den am häufigsten fotografierten Frauen unseres Jahrhunderts – ein unvergessener Mythos der amerikanischen Traumfabrik, eine Legende und ein Sexsymbol.

 

Zum 80. Geburtstag von Norma Jean Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe (1926-1962), legt Schirmer/Mosel den wohl bekanntesten Bildband über die Schauspielerin von 1992 neu auf. In seinem englischsprachigen Vorwort beschreibt der Modefotograf Bert Stern die Vorgeschichte und den Ablauf der Fototermine, aber auch den Eindruck, den er von dieser prägnanten Frau, die als »das Sexsymbol« ihrer Zeit galt, behalten hat (ganz besonders faszinierend fand er ihre feste, gar nicht piepsige Stimme). Es war eine »fotografische Liebesgeschichte«, für die die Bilder Zeugnis ablegen.

Wenige Wochen vor ihrem Tod traf Stern die Diva in einem Hotel in Hollywood, um eine Fotoserie mit Modeaufnahmen für die amerikanische Ausgabe des Magazins Vogue zu machen. Binnen dreier Tage entstanden 2.571 Bilder (375 davon farbig), von denen etwa 20 einen Tag nach ihrem Selbstmord in der Zeitschrift erschienen sind.

Es ist Stern nur perfekt gelungen, den Bildern und seinem »Objekt der Begierde« einen ganz besonderen Charme zu verleihen. Die eindrucksvollen Bilder zeigen nicht das »blonde Dummerchen«, das sie in ihren ersten Filmen spielte, sondern eine gereifte Frau, die 36-jährig, selbstbewusst mit der Kamera flirtet und sich ihrer körperlichen Präsenz, ihrer Sinnlichkeit, durchaus bewusst zu sein scheint: bekleidet oftmals mit einem Hauch von Nichts, mit »Perlen und Glitzerstaub«, einem durchsichtigen Schal oder einem Bettlaken. Ihre Verletzlichkeit kommt insbesondere bei den farbigen Porträtaufnahmen zum Vorschein. Man erkennt deutlich die Spuren, die Alkohohl- und Tablettensucht in ihrem Gesicht zurückgelassen haben (die Monroe wollte diese Bilder nicht veröffentlicht sehen und strich sie mit Filzstift durch), aber auch eine innere Leere, die bei einigen Bildern aus ihren stumpfen Augen steigt. Ein Vergleich mit den frühen Pin-Up-Bildern der Monroe ist durchaus angebracht, um den seelischen Verfall der Künstlerin binnen weniger Jahre noch augenscheinlicher zu machen.

 

Style, Heft 3 / 2006, S. 99