Historischer Krimi  

Agustín Sánchez Vidal

 

Kryptum. Roman

 

 

 

München: dtv-premium 2006

746 S., Flex-Cover

 

 

 

ISBN 10: 3-423-24566-2

ISBN 13: 978-3-423-24566-1

 

 

 

 

 

 

 

 

16,50 Euro

 
Zwischen Inquisition und NSA

 

Antigua – Jerusalem – Mekka – Mesopotanien: Dies sind die zentralen Stationen eines Roman-Erstlings, der in Spanien gleich nach seinem Erscheinen die Bestsellerlisten stürmte. Nun ist die Geschichte, die den Leser in ein Verwirrspiel der Zeiten hineinzieht, auch auf Deutsch erschienen.

 

Angesiedelt im Genre zwischen kulturhistorisch oppulent ausgeschmückten Abenteuerroman und Mystery-Thriller heben sich zwei Zeitebenen gegeneinander auf: 1582 wartet Raimundo Randa im Alkazar von Antigua auf seinen Inquisitionsprozess wegen Ketzerei. Sein Leben bestand bis dahin aus einem Wechsel von Identitäten und Glauben, um im Auftrag des spanischen Königs ein mit kryptischen Zeichen beschriftetes Pergament – in 12 Teile zerschnitten und in der ganzen bekannten Welt verteilt – zu suchen und zu finden. In der Rückschau erzählt er seiner Tochter die Geschichte seiner Wanderungen und weiht sie in das Geheimnis des Pergaments ein. 400 Jahre später verschwindet die amerikanische Wissenschaftlerin Sara Toledano in der Stadt, kurz nachdem sie die Aufzeichnungen Randas gelesen hat. Ist sie dem Geheimnis des Pergament auf die Spur gekommen? Ihr Mitarbeiter David Calderón versucht gemeinsam mit ihrer Tochter Rachel und dem US-Agenten John Bealfeld dem rätselhaften Verschwinden nachzuspüren. Doch mächtige Feinde kreuzen ihren Weg: Allen voran versucht der amerikanische Geheimdienst die Aktivitäten der drei zu behindern.

Vidals Figurengeflecht ist dicht und glaubwürdig, die Handlungen nachvollziehbar – auch wenn der Autor zwischenzeitlich zu gelehrig daherkommt und den Leser mit seinem Wissen geradezu überschüttet. Historische Persönlichkeiten wie Juan de Herrera, Erbauer des Königshofes Escorial bei Madrid, oder König Philipp II von Spanien stehen gleichberechtigt neben den fiktiven Romanfiguren Raimundo, David oder Rachel.

Agustín Sánchez Vidal, geboren in Salamanca, arbeitet als Professor für Kunstgeschichte und audiovisuelle Medien an der Universität von Zaragossa. Über zehn Jahre hat an seinem umfang- und materialreichen Roman gearbeitet und konnte seine Kenntnisse über die Kunst- und Baugeschichte Spaniens anschaulich einbringen. Mögen es nun Darstellungen über den Alltag im spätmittelalterlichen Spanien oder das Wirken der Inquisition sein, hier entwickelt er die Stärken eines historischen Romans. Dort aber, wo Vidal die unmittelbare Gegenwart betritt rutscht sein Roman ins Absurde, ins Unglaubwürdige ab. Auch wenn der Roman die anfängliche Spannung nicht über die gesamte Distanz des Romans aufrecht erhalten vermag, bleibt doch ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis.

 

 

Style, Heft 1 / 2007, S. 95