Tom Wolfe

 

Ich bin Charlotte Simmons

Roman

 

 

München: Karl Blessing 2005

 

800 S. - Geb.

 

ISBN 3-89667-272-X

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

24,90 Euro

 
»Ich wollte die ganze Welt in ein Buch packen!«...
...so war das Ziel, doch es wurde „nur“ die Welt der amerikanischen Colleges.
 
Tom Wolfe, der Gesellschaftsanalytiker, der es liebt die politische Linke zu provozieren, hat fast 20 Jahre nach seinem Fegefeuer der Eitelkeiten (1987) wieder einmal einen opulenten, manchmal auch etwas geschwätzigen Roman herausgebracht.

Charlotte Simmons, 18-jährige Highschool-Absolventin vom Land, erleidet in der „Welt des Geistes“ die Niederungen des amerikanischen Campusleben mit all seinen Fascetten und durchlebt die Wandlung von der Vorzeigeschülerin zum Mainstream-Girly in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Die Heldin geht auf eines der besten Colleges der USA und glaubt an Lehre, an Wissen und dass alle ihre Kommilitonen eben solch hohen Ziele verfolgen wie sie. Doch sie wird eines Besseren belehrt: die »Dupont-University« entpuppt sich wahrer Vorhof zur Hölle, als Ort sexueller Ausschweifungen und Hort organisierter Seilschaften. Der Leser trifft mit Charlotte auf Figuren, die an schlechte amerikanische College-Filme erinnern: auf tumbe Sportler ohne IQ, Paris-Hilton-Imitationen, denen äußeres Erscheinen wichtiger ist als das Studium, nervige Möchtegernjournalisten und elitären Burschenschaftlern, „die auserwählt waren zu herrschen über...ja, über all die anderen“.

Mit sichtlich großem Vergnügen seziert, analysiert und beschreibt Wolfe eine Welt, die kulturell degeneriert. Er erweist sich als gnadenloser Satiriker und unterhaltsamer Kritiker der amerikanischen „Ideale“.
 

 

Style, Heft 4 / 2005, S. 105.